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Engagiert für die Integration - Edeltraut Deuter, Ingrid Korfmacher und Martin Gurk im Gespräch

Edeltraut Deuter, Ingrid Korfmacher und Martin Gurk engagieren sich ehrenamtlich in Gesprächskreisen für ausländische Mitbürger. Dazu gehört viel Einfühlungsvermögen, interkulturelle Kompetenz sowie Verlässlichkeit und Herzlichkeit. All das bringen die Drei mit, frei von Vorurteilen und Stereotypen. Aus dem Interview wird ein Abendessen, bei dem ich kaum zu Wort komme. Am Ende erklärt sich mir von selbst, warum sich die Gesprächskreise so großer Beliebtheit erfreuen.


Redaktion: Das interkulturelle Migrantenzentrum IMAZ e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen unterschiedlicher Herkunft bei der Integration in die deutsche Gesellschaft zu unterstützen und zu begleiten. Martin, Du bist dort ehrenamtlich tätig. Wie gut funktioniert die Integration in Düsseldorf?

Martin: Kann ich so nicht beantworten. Zum IMAZ geht keiner freiwillig. Die Teilnehmer bekommen den Kurs bezahlt und müssen den Nachweis erbringen, dass sie den Kurs absolviert haben, ansonsten werden die Leistungen gestrichen. Ein Basiskurs umfasst 900 Stunden. Anschließend müssen die Teilnehmer eine Prüfung bestehen, und wenn die Prüfung nicht bestanden wurde, dann gibt es Extrastunden.

Redaktion: Wie dürfen wir uns Deine Arbeit vorstellen?

Martin: Ich bin ein bis zwei Mal pro Woche dort. Zunächst habe ich Unterricht im Unterricht gemacht. Ein Kurs hat normalerweise zehn Leute. Die Kurse halten sich ans Raster des Goethe-Instituts, d.h., die Kursteilnehmer sollen in der Regel Deutschkenntnisse des Levels B1 erreichen. Der Einstieg in das Level B1 ist aber oftmals zu hoch für die Teilnehmer und deshalb habe ich mich anfangs um die Leute gekümmert, die kaum Deutsch können, bzw. Analphabeten sind. Jetzt betreue ich Gesprächskreise. Dort hat man Gelegenheit die deutsche Sprache zu sprechen. Deutsch lernen von Deutschen sozusagen.

Redaktion: Das Goethe-Institut bietet in Kooperation mit Duesseldorf-aktiv.net Deutschkurse und Hilfe bei der Eingewöhnung und Orientierung in Düsseldorf an. Wie sieht Eure Arbeit im Goethe-Institut aus?

Edeltraut: Jeden Donnerstag treffen wir uns im Goethe-Institut mit den Studierenden zum Gedankenaustausch. Da wir nur deutsch mit ihnen sprechen, ist es für die Studenten/innen eine gute Gelegenheit ihre in den Kursen gewonnenen Sprachkenntnisse bei uns anzuwenden.

Ingrid: Die Gesprächsteilnehmer, die das Sprachniveau A1 haben, können anfangs nur sehr wenige deutsche Wörter. Dementsprechend unterhalten wir uns nur ganz langsam mit ihnen und mit einer klaren Aussprache.

Redaktion: Wie lange seid ihr schon aktiv?

Martin: Seit letzten November. Das IMAZ suchte neue Mitarbeiter über Duesseldorf-aktiv.net, weil es dort zu wenige Ehrenamtliche gab.

Edeltraut: Ich bin bereits seit 6 1/2 Jahren in der Willkommensgruppe und seitdem auch im Goethe-Institut.

Ingrid: Ich wurde von Edeltraut angeworben und bin seit 5 1/2 Jahren dabei.

Redaktion: Ihr engagiert Euch zwar in unterschiedlichen Institutionen, aber ihr habt alle mit Ausländern bzw. Zuwanderern zu tun.  Jeder fünfte Einwohner Deutschlands, darunter jedes dritte Kind unter sechs Jahren, hat einen Migrationshintergrund. Was meint ihr, wie kann das Zusammenleben, und die interkulturelle Verständigung verbessert werden?

Martin: Es fängt ja schon damit an, dass der Deutsche gerne unter sich ist, das ist mein persönlicher Eindruck. In Düsseldorf sind die Japaner gut integriert, sie fallen kaum auf. Es gibt viele Migranten, die Berührungsängste haben, aber auch Leute die nicht integriert werden wollen. Als Ausländer sollte man Interesse zeigen und auch ein bisschen selbstbewusst auftreten und sagen, dass man Kontakt möchte. Beim IMAZ gibt es zum Beispiel Menschen, die seit 25 Jahren hier sind und kein Wort deutsch sprechen.

Ingrid: Die Studierenden des Goethe-Instituts haben keinen Migrationshintergrund. Sie lernen aus unterschiedlichen Gründen die deutsche Sprache, z.B. um hier einen Studienplatz aufzunehmen, ein Praktikum zu absolvieren, einen Job in Deutschland zu finden oder aus eigenem Interesse. Für die arabischen Studenten ist es wichtig, gute Deutschkenntnisse zu erlernen, damit sie hier in ihrer 5-jährigen Berufsausbildung gut zurechtkommen.

Edeltraut: In unseren Gesprächsrunden versuchen wir den Studierenden unsere Kultur ein wenig näher zu bringen und gleichzeitig erfahren wir auch etwas über deren Kultur.

Redaktion: Hat einer von Euch längere Zeit im Ausland gelebt?

Alle: Nein, haben wir nicht.

Redaktion: Was sind die Sorgen und Nöte der Neubürger, die an Euch herangetragen werden?

Edeltraut: Bei den Studenten/innen des Goethe-Instituts haben manche Probleme bei der Ausländerbehörde, wenn sie ihr Visum verlängern müssen. Sie werden dort nicht immer freundlich behandelt. Dann sind sie froh, wenn wir unsere Begleitung anbieten.

Martin: Beim IMAZ sind es das Geld und der Job.

Redaktion: Was gefällt den Teilnehmern in Deutschland?

Edeltraut: Manch eine/r hat vorher noch nie Schnee erlebt.

Ingrid: Unseren Studenten gefällt die Pünktlichkeit und Ordnung. Bei längerem Aufenthalt genießen sie die unterschiedlichen Jahreszeiten.

Redaktion: Tatsächlich tut es jeder dritte Deutsche - er engagiert sich für einen bestimmten Zweck. Warum engagiert Ihr Euch und wie seid ihr zu Duesseldorf-aktiv.net gekommen?

Ingrid: Edeltraut und ich waren zusammen im Lauftreff. Dort hat sie mich akquiriert. Am Anfang kamen wenige Teilnehmer und wenig Leute von Duesseldorf-aktiv.net. Wir haben Veränderungen vorgenommen und eifrig daran gearbeitet. Seit ein paar Jahren sind wir ein fester Kern von vier Leuten. Wir machen das einmal pro Woche.

Edeltraut: Ich habe aufgehört zu arbeiten und las in der Rheinischen Post, dass Duesseldorf-aktiv.net Mitarbeiter sucht. Ich bin von Anfang an ins Goethe-Institut gegangen. Zuerst lief es sehr schleppend.

Martin: Eigentlich bin ich auch durch das Goethe-Institut dazugekommen.  Eines meiner Hobbys ist die deutsche Sprache und ich wurde vom Goethe-Institut zum Neubürger-Treffen von Duesseldorf-aktiv.net eingeladen und von dort kam ich dann zum IMAZ, weil ich neben einer Ehrenamtlichen saß, die beim IMAZ tätig ist. Mir gefällt das IMAZ, obwohl es anfangs etwas chaotisch war.

Ingrid: Sind die Lehrer beim IMAZ alles Deutsche?

Martin: Nein, nicht alle. Der Vorteil von Ausländern, die Deutsch unterrichten, ist, dass sie die Fallstricke der Sprache kennen. Wir Deutschen sprechen meist intuitiv richtig, aber können es nicht erklären.

Redaktion: Was ist das Besondere an Euren Tätigkeiten?

Martin: Dass, was am meisten Spaß macht, ist den Leuten zu vermitteln, dass es Deutsche gibt, die an Ausländern Interesse haben und sich für die Integration stark machen. Wir machen das ja auch nicht bierernst. Wir erzählen auch manchmal Witze oder versuchen es. Es ist interessant zu sehen, worüber andere Leute lachen. Wir vermeiden es, über Religion zu diskutieren. Ich versuche den Teilnehmern immer klar zu machen, dass die Ähnlichkeiten zwischen den Religionen größer sind, als die Unterschiede. Grundsätzlich versuchen wir Diskussionen zu vermeiden, weil die Sprachkenntnisse oftmals nicht ausreichen, aber wir halten niemanden auf.

Ingrid: Wir wollen den jungen Studenten/innen den Aufenthalt in Deutschland erleichtern, damit sie sich hier im Lande wohlfühlen.

Redaktion: Die Werkzeuge, um Engagierte zu mobilisieren und Aktivitäten zu koordinieren haben sich weiterentwickelt. Duesseldorf-aktiv.net hat zum Beispiel eine Online-Stellenbörse. Das Gros der Bürger erfährt im Internet von uns. Warum engagiert Ihr Euch ausgerechnet bei einem Verein, der sich so intensiv mit den digitalen Medien auseinandersetzt?

Alle: Die Informationstechnologie war nicht der Grund, den Verein auszuwählen, sondern das Menschliche war uns wichtig.

Redaktion: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was war der schönste Moment, seit ihr Euch engagiert?

Martin: Eine meiner Analphabetinnen hat nach zehn Unterrichtsstunden ihren Namen auf die Tafel geschrieben. Sie kommt aus Ghana, eine islamische Ghanaerin mit Turban. Eine total lebenslustige Powerfrau. Sie setzt sich durch und traut sich, obwohl sie kaum Englisch kann und fast kein Deutsch spricht.

Edeltraut: Manchmal ergeben sich engere Kontakte, die man weiter aufrechterhält, auch wenn die Studenten/innen schön längst wieder in ihrer Heimat sind.

Ingrid: Manchmal bekommt man zu dem einem oder anderen Studenten ein persönlicheres Verhältnis, sodass man auch mal außerhalb des Goethe-Instituts gemeinsam etwas unternimmt.