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Fragt ein Düsseldorfer einen Kölner: „Kennst Du eigentlich Jacques Tilly? "Antwort des Kölners: „Na klar. Das ist doch der, der mit seinen Motto-Wagen im Düsseldorfer Karneval den Kölner Rosenmontagszug ganz klar in den Schatten stellt."

Richtig! Und von den Arbeiten des 54-Jährigen konnten sich jetzt mehr als 30 Interessierte bei einem Termin vor Ort in den ehemaligen Rheinbahn-Hallen in Bilk überzeugen. Eingeladen hatte Düsseldorf-aktiv. Und Tilly war wie immer: locker, lässig und sehr informativ. Er betrachte sich eigentlich nicht als Künstler, erzählte er den Besuchern. „Ich bin eher Satiriker."

Angefangen mit Wagen-Bau hat er vor rund 35 Jahren. Wie viele Wagen er bisher konzipiert habe? Tilly muss überlegen. „Es werden wohl mehrere Tausend sein." Und wie erfolgreich diese Motive sind, zeigt sich schon in der Zahl der Veröffentlichungen in Medien auf der ganzen Welt. Es sind rund 1500. Ganz besonders gefragt sind dabei natürlich Donald Trump und die britische Premierministerin Theresa May. Einen Wagen aus dem jüngsten Rosenmontagszug _ er zeigt May mit einem monströsen Brexit-Baby _ schickt er nach Großbritannien. Damit will Tilly die Anti-Brexit-Kampagne unterstützen.

Wegen einiger Wagen hat Tilly auch schon Morddrohungen erhalten. Sein Kommentar dazu: „Wer austeilt, muss auch einstecken können." Auch Religion ist seit Jahren für ihn im Rosenmontagszug ein Gegenstand des Spotts. Sie stehe nicht unter Artenschutz. „Aber Gott und Propheten sind tabu", sagt der Satiriker und Wagenbauer. „Aber nicht das Bodenpersonal."

Beim Bau der Wagen arbeiten Tilly und sein Team mit Maschendraht aus China. Der sei besonders fein. Dabei komme es natürlich auf die Arbeitsmethode an. „Man darf den Draht nicht drücken", so Tilly. Und dann kommt ein Seitenhieb auf die Kölner: „Die machen das. Und das sieht man auch ihren Wagen an." Er selbst knickt den Draht und vernäht dann die einzelnen Elemente. „Das geschieht ohne großen Kraftaufwand."

Für Tilly ist nach dem Rosenmontagszug auch gleichzeitig wieder vor dem Zug. Im Mai wird das Motto der nächsten Karnevalssession festgelegt. Und dann muss er sich schon Gedanken machen, welche Motive er wählt und wie die Wagen im kommenden Jahr aussehen.

Natürlich bewunderten die Besucher auch noch die zahlreichen Wagen, die in der Halle standen und machten zahlreiche Fotos. Nach eineinhalb Stunden waren sich alle einig: Das könnte ruhig noch einmal wiederholt werden.

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