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2019 12 20 RP D aktiv"Ich möchte die Menschen und ihre Sprache verstehen"

Unter diesem Titel berichtet die Rheinische Post in der Ausgabe vom 20.12.19 über eine Führung für Neu-Düsseldorfer im Düsseldorfer Rathaus, die von Düsseldorf-aktiv organisiert wurde. Mit dabei Ute Dickel.

 RP-Foto: Anne Orthen

 

 

Von Lea Grote, RP Düsseldorf: Rund 45.000 Personen sind 2018 nach Düsseldorf gezogen. Bei einer Führung im Rathaus lernen einige die Stadt kennen.

Rama Hajjar fühlt sich wohl in Düsseldorf. „Mein Lieblingsort ist der Rhein“, sagt die 23-jährige Syrerin, angesprochen auf ihre neue Heimat. Neben einem neunmonatigen Sprachkurs hat sie sechs Monate lang ein Gymnasium besucht, um sich Deutschkenntnisse anzueignen. „Am Anfang war es ganz schwer“, sagt sie. Besonders im ersten Jahr habe sie nahezu nichts verstanden, nicht kommunizieren können und deshalb auch kaum deutsche Freunde gefunden. Mittlerweile ist sie seit dreieinhalb Jahren in der Stadt und kommt ganz gut zurecht – träumt sogar von einem Studium als Ingenieurin.

Düsseldorf ist sehr beliebt bei jungen Menschen. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten steigt das Durchschnittsalter hier nur langsam an – denn es wird immer wieder begrenzt von recht jungen Leuten, die neu in die Stadt ziehen. Allein im Jahr 2018 waren das rund 45.000. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen stammt aus dem Ausland – darunter Personen aus EU-Mitgliedsstaaten, genauso wie Migranten mit Fluchthintergrund.

Die Integration einer solchen Anzahl „kann die Stadt nicht alleine stemmen“, sagt Ute Dickel, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Düsseldorf aktiv. Deshalb müsse man der Stadt mit Projekten so gut wie möglich unter die Arme greifen. Vor kurzem organisierte der Verein eine Führung durch das historische Rathaus. Sie sollte Zugezogenen die Möglichkeit geben, sich mit der Geschichte und Gegenwart ihrer neuen Heimat auseinanderzusetzen. Anschließend spendierte Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke eine Runde Glühwein.

Auch Rama Hajjar nahm teil. Und Christoph Wilden. Er unterstützt Düsseldorf aktiv als Freiwilliger. Das Besondere an seinem Engagement: Auch er zog erst in diesem Jahr in die Stadt. Ganz so neu ist er allerdings hier nicht. „Mein Vater kommt aus Düsseldorf“, erzählt Wilden. Auch seine Jugend habe er hier verbracht. Dennoch hat auch er an der Führung im Rathaus teilgenommen, um mehr über seine neue alte Heimatstadt zu erfahren. Denn die letzten 18 Jahre lebte er in der Schweiz. „Ich war sehr gerne dort“, sagt der Projektmanager, aber er habe einfach nochmal etwas Neues sehen und woanders alt werden wollen.

Die Wahl fiel auf Düsseldorf – trotz Jobangeboten aus Berlin und München. Grund dafür seien nicht nur Familie und Freunde gewesen, die noch immer hier leben. „Düsseldorf ist eine Großstadt und international“, so Wilden, sei aber eben gleichzeitig doch eher überschaubar und gemütlich. Das habe ihn letztlich überzeugt.

Die Führung ist nur ein kleiner Bestandteil dessen, was der Verein Düsseldorf aktiv leistet. Der Schwerpunkt sind die monatlichen Gesprächskreise, bei denen Migranten ihr Deutsch im lockeren Miteinander verbessern können. Dabei geht es darum, den Neubürgern die deutschen Gepflogenheiten näher zu bringen – zum Beispiel beim Grillabend oder einer Fahrradtour am Rhein.

Neben der deutschen Sprache hätten die Zugezogenen allerdings auch andere Probleme. Das seien mitunter die Wohnungssuche und Behördengänge, sagt Dickel. Bei diesen Punkten könne man leider nur bedingt helfen.

Auch Flavia Dyfekciu hat ihre neue Heimatstadt ins Herz geschlossen. Die italienisch-albanische Tanzlehrerin und Schauspielerin hat es der Liebe wegen nach Düsseldorf verschlagen. „Mein Mann hat zwei Restaurants in der Altstadt“, sagt sie in ihrem noch gebrochenen Deutsch, neben dem sie fünf weitere Sprachen beherrscht.

Durch die Hochzeit sei sie in der Stadt gelandet. Ihr Ehrgeiz sich zu integrieren, ist groß. „Ich lebe in Deutschland und will die Menschen und ihre Sprache auch verstehen“, sagt Dyfekciu. Deshalb wolle sie unbedingt noch an ihren Kenntnissen arbeiten. Neben Oberkassel und dem Rhein möge sie an Düsseldorf besonders, wie weltoffen und freundlich die Menschen seien. „Ich fühle mich, als hätte ich mein Zuhause gefunden.“, sagt sie und lacht.

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